Süßkind von Trimberg

Suesskind

 

War er nun wirklich ein Jude und somit der älteste jüdische Dichter deutscher Sprache? Und hieß der Dichter aus Trimberg im Tal der Fränkischen Saale überhaupt Süßkind?
Viele Experten der literaturwissenschaftlichen Erforschung des Mittelalters sind schon diesen und damit zusammenhängenden Fragen nachgegangen, ohne dass auch nur einer von ihnen eine letztgültige Antwort gefunden hätte. Ihnen sollte man wohl besser auch weiterhin die Suche nach überzeugenden Belegen zur Biografie jenes Sangspruchdichters überlassen, den die Manessische Liederhandschrift schlicht „Süßkind, der Jude von Trimberg“ nennt.
Nichtsdestotrotz aber sind auch Hobby-Historiker und Hobby-Germanisten herzlich eingeladen, sich an der Lösung der Süßkind-Rätsel zu beteiligen.
Sie sollten dabei tunlichst den Hauptort Elfershausen als Standquartier wählen, zu dessen Gemeindeteilen Trimberg heute zählt.
Das wenige, das man mit Gewissheit sagen kann, muss immer noch aus dem Manesse-Codex und den darin überlieferten sechs Spruchgedichten mit ihren zwölf Strophen abgeleitet werden. Als Geburts- und Heimatort bezeichnet die Handschrift das unterfränkische Trimberg und sie gibt Anlass zu der Vermutung, dass sich der jüdische Zeitgenosse der Minnesänger in der Gegend von Konstanz aufgehalten hat. Seine Gedichte sind in die zweite Hälfte des 13. oder ins frühe 14. Jahrhundert zu datieren. In schlichter Form behandeln sie vorrangig religiöse und moralische Themen sowie das breite Spektrum menschlichen Lebens. Gedankenfreiheit und soziale Gerechtigkeit sind Süßkind ernste Anliegen, weshalb er uns heute fast modern anmutet.
Der Minnesänger lebte zu einer Zeit, da die Kreuzzüge und die beiden Laterankonzilien III. und IV. blutige Judenverfolgungen an Rhein, Main und Donau ausgelöst hatten. Wie anderen Minnesängern auch, bereitete es Süßkind Probleme, seine Dichtkunst in klingende Münze umzusetzen. Deshalb kündigte er an, die Höfe seiner früheren adligen Gönner zu meiden und sich einen langen Bart aus grauen Haaren wachsen zu lassen. In Süßkinds Armutsklage heißt es:
„Da bin ich als ein rechter Tor mit meiner Kunst durchs Land gezogen, und niemand rettet mich davor, dass mir die Herren nicht gewogen.
Ich will mir einen langen Bart lassen wachsen mit grauen Haaren, ich will nach alter Juden Art fortan des Lebens Straße fahren.
Der Mantel wallt mir schwarz und tief unter meinem Hute, demütiglich soll sein mein Gang, nie wieder sing ich höfischen Gesang.
Ich bin geschieden von den Herrn und ihrem Gute“.
Auch in der Manesse-Miniatur trägt Süßkind einen goldenen Spitzhut, wie ihn die Juden seit dem IV. Lateranischen Konzil zur Unterscheidung von den Christen tragen sollten. Als jüdischer Dichter wäre Süßkind unter den mittelhochdeutschen Minnesängern zweifellos eine Ausnahmeerscheinung.

Quelle: Minnesänger in Franken – Herausgegeben vom Fremdenverkehrsverband Franken e.V.

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